Thanks for Sharing - Facebook und deutsche Werbung
Deutsche Unternehmen haben Facebook für sich entdeckt. Endlich möchte man fast meinen.
»Hättet Ihr besser mal noch gewartet« sagt man sich meistens hinterher.
Die Deutsche Bahn hat sich schon mit Ruhm bekleckert. Eins muss ich dazu schnell noch loswerden. Das Video fand ich großartig. Es hatte nur mit der Kampagne nichts zu tun. Damit hätte man auch andere Sachen vermarkten können.
PayPal will gerade cool sein. Super. Die Facebook-Page wurde um ein paar Reiter erweitert. Sinnvoll erweitert. Wirklich: Hinter jedem Reiter scheint eine App zu stecken, die sich sinnvoll in die Facebook-Optik einpasst. (Gut, der Sprung von blau zu blau ist nicht allzu groß, aber immerhin muss man auch loben.)
Eigentlich ist alles toll, außer dass es zu viele Reiter sind. Naja. Geschenkt. Passiert. Wenn Facebook erlauben würde, die Anordnung der Reiter frei zu verändern, wäre das alles kein Problem.
Man merkt gleich auf den ersten Blick, dass da Gefühl drinsteckt und nicht nur Geld. Es passt alles. Die Verbindung zu Twitter steht, zur Jobbörse auch. Zufällig verweist der letzte Tweet auch auf die Jobbörse: »#Praktikant (in) im Bereich Grafik Design bei #PayPal gesucht! Voll kreativ, voll gut bezahlt - in Berlin.« Voll gut, ne? Vor allem die kleinen Fehler Ungenauigkeiten. Grafikdesign heißt das. Nicht »Grafik-Design« und schon gar nicht »Grafik Design«. Aber Hauptsache die Suchmaschinenoptimierungsregeln wurden eingehalten. Ein bisschen dilettantisch muss es sein. Sonst wirkt es nicht authentisch.
Da gibt's auch einen Reiter namens »Social Web«. Dahinter verbergen sich die Links zu Twitter und zu XING und zu den Firmenblogs. Voll gut. Hmmmmm.... es haben nur zwei Leute bei PayPal Deutschland ein Firmenblog: der Chef und der Social-Media-Typ. Voll gut. Oder? Folgt man den Links geht's um Marketing, Verkaufen und um SocialMedia. Abgesehen von der Tatsache, dass man recht schnell den Eindruck gewinnt, man selbst sei eine Laborratte und die PayPal-Seite auf Facebook das Labyrinth, stellt sich doch eine ganz andere Frage: Ist PayPal nicht die Firma, die Bezahlen im Netz sicher machen soll? Und deren Geschäftsführer ist ein Marketingmensch? Aha. Voll gut. Voll kreativ. Voll authentisch.
Irgendwann hört's dann schlagartig auf. Also richtig. Um am Gewinnspiel teilnehmen zu können, muss man seine eMail-Adresse angeben. Als Facebook-Applikation kommt man an so ziemlich alles heran (s. Vodafone Boost), nur an die eMail-Adresse nicht. Man kann den Nutzern zwar Mails schicken, aber dann steht Facebook in der Mitte.
Wozu bitte braucht ihr meine eMail-Adresse?! Ich mag Euch doch schon bei Facebook. Damit könnt Ihr mich doch schon vollspammen zuscheissen informieren. Ist doch albern. Wir werden unsere Leben bei Facebook verbringen und falls nicht, dann gehen wir zum nächsten Tool und ihr kommt selbstverständlich mit. So what?
Etwa so:
Warum machen sich große Unternehmen noch größere Gedanken darüber, wie sie SocialMedia für sich nutzbar machen können? Wir müssen auf den Zug aufspringen heißt das dann.
Nix müsst ihr. doch eins: Verstehen. SocialMedia kann man nicht nutzbar machen, das ist kein Feld und ihr seid keine Bauern mit Pflug. Ihr sollt auch nicht auf einen fahrenden Zug aufspringen. Dann tut ihr euch a) weh, b) sieht es peinlich aus und c) denkt ihr überhaupt nur an das Aufspringen und das war's. Vielleicht haltet ihr Euch ewig am Geländer fest oder bleibt auf dem Perron stehen wie blinde Passagiere. All das ist falsch. Steigt doch endlich in den Zug ein und setzt Euch mit zu den anderen. Meinetwegen geht mit einem Bauchladen durch den Zug und verkauft uns etwas. Das können wir ab. Aber integriert Euch um Himmelswillen.



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